Rezension zu O'Reillys »KOMA‐Script kurz & gut«

Cover
Autor(en):
Karsten Günther
ISBN:
3-89721-545-4

Die 1. Ausgabe von »KOMA‐Script« aus O'Reillys Taschenbibliothek behandelt, anders als es der Titel vermuten lässt, nicht nur die KOMA‐Script‐Klassen, sondern auf 50 von 125 Seiten auch andere Klassen und Programme. Vorrangig geht es dabei um Pakete, die sich an deutsche Anwender richten, wie dinbrief, german/ngerman, oldgerman, sueterlin und ziffer. Aber es werden auch Pakete vorgestellt, die nicht speziell für deutsche Anpassungen geschaffen wurden, wie geometry und microtype, und im letzten Kapitel werden die Programme rmligs, makeindex und texindy besprochen. Daher ist der Name des Buches irreführend, aber selbst der Titel »LaTeX‐Pakete für deutschen Schriftsatz« wäre nicht ganz korrekt. Es mangelt an einer klaren Linie, welches Kernthema mit dem Buch behandelt werden soll. Es ist mehr wie »KOMA‐Script und die Pakete, die ich so nutze«.

Das Buch kann von einem erfahrenen Anwender als kleine Referenz für die besprochenen Pakete dienen, denn dem Leser wird TeX‐Code wie folgender zugemutet (Seite 30):

\setlength{\parskip}{\z@\@plus .3\p@}

Dieser Auszug aus der Definition der Umgebung theindex ist meiner Meinung nach völlig fehl am Platz, da der erfahrene Leser eher den Blick in den Code selbst wirft, und der unerfahrene Nutzer derartige Informationen nicht benötigt oder sie nicht zu deuten weiß. Dasselbe trifft auf die Definition des Befehls minisec auf Seite 32 zu. Mit der Abbildung auf Seite 43 zur Bestimmung des Satzspiegels kann wahrscheinlich auch nur jemand etwas anfangen, der weiß, wie dieses Verfahren funktioniert, und dem werden dann aber die genauen Angaben dazu fehlen.

Einem Benutzer, der noch keinen bis wenig Kontakt mit LaTeX hatte, kann ich dieses Buch nicht empfehlen, da es dafür einfach zu kurz in den Erläuterungen gehalten ist, aber Dinge anreißt, die selbst ein erfahrener Benutzer nur alle Jubeljahre einmal verwendet; \renewpagestyle, \ifpdftex, \ifkomavarempty.

Was weiterhin an dem Buch sehr negativ auffällt, ist, dass der Korrektor [...] offensichtlich im Urlaub war. Anders sind die Rechtschreib‐, Satz‐ und Formfehler nicht zu erklären. Eine kleine Auswahl:

Außerdem mangelt es dem Dokument an einigen Stellen an einem einheitlichem Stil bei der Formatierung, wie die oben erwähnte Diskrepanz bei der Kennzeichnung der ersten Buchstaben von left, right und center. Das selbe gilt auch für die aufgeführten Informationen: Für die Klasse scrlttr2 wird die Option parskip= (Seite 66) verwendet, aber für die anderen Klassen werden die alten Optionen wie halfparskip (Seite 19) erläutert.

Weiterhin finde ich unpassend, immer wieder Dinge zu erwähnen, die man nicht verwenden soll oder kann. Auf Seite 15 sollte scrlettr nicht als Dokumentenklasse erwähnt werden, es ist überholt. Auf Seite 62 werden Makros vorgestellt, die bei KOMA‐Script nicht zur Verfügung stehen, und auf Seite 56 werden Fußnoten besprochen und im Anschluss daran wird darauf hingewiesen, dass Fußnoten vermieden werden sollten, da sie nicht mehr zeitgemäß sind – meiner Meinung nach auch eine Fehleinschätzung.

Es gibt viele kleine Stellen an denen das Buch kein stimmiges und klares Bild abliefert, sondern mehr wie eine lose Sammlung von Informationen wirkt, die, wie bereits oben erwähnt, wahnsinnig anspruchsvoll seien können, aber denen dann wieder die Substanz fehlt, damit ein Nutzer ohne Kenntnisse damit etwas anfangen kann.

Fazit: Der Abschnitt über KOMA‐Script macht einen sehr guten Anfang und sollte zu einem richtigen Buch – kein kurz & gut – über KOMA‐Script und dessen Details ausgebaut werden. Im Rahmen dieses Buches aber ist er nichts Halbes und nichts Ganzes. Insgesamt macht das Buch sehr den Eindruck, dass es geschrieben und anschließend gedruckt wurde, ohne dass es noch einmal überdacht, vereinheitlicht und korrigiert wurde.

Noch eine Sache möchte ich erwähnen: ich weiß, dass sich O'Reilly für die Tiere auf dem Titelbildern einsetzt, aber sich gleich »die Darstellung von [beliebigen] Vögeln im Zusammenhang mit dem Thema KOMA‐Script« als Warenzeichen zu sichern, finde ich etwas viel.

(Jörg Sommer)

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