Rezension zu O'Reillys »LaTeX kurz & gut«
Mit dem Taschenbuchformat hat man für dieses Buch ein schönes handliches Format gewählt und der Gedanke, eine kurze Sammlung über die wichtigsten Befehle und Geflogenheiten von LaTeX zu verfassen, ist gut, denn oft braucht man eine kleine Gedankenstütze oder nur einen Anfang um wieder zu wissen »wie«.
Jedoch würde ich mir das Buch im Nachhinein gesehen nicht wieder kaufen,
da es nicht das ist, was ich mir vorgestellt hatte. Mir fehlen dafür doch
mit wichtige Angaben z.B. über KOMA-Script oder amsmath.
Denoch ist es dem Autor mit diesem Büchlein einen breiten Blick über das
Gebiet LaTeX zu geben.
Dass das Buch — das offensichtlich für den deutschsprachigen Raum
gedacht ist — nicht auf die KOMA-Klassen eingeht, finde ich falsch. In
de.comp.text.tex wird man als erstes auf diese Klassen
verwiesen, wenn man einen Text schreiben will. Warum dann nicht auch in
diesem Buch? Die englischen Klassen sollten dagegen nur kurz namentlich
erwähnt werden.
Ähnlich, finde ich, liegt der Fall auch bei den Mathematikumgebungen und
dem Paket amsmath. Dieses ist mehr oder weniger Standard und
dementsprechend sollte ihm auch mehr Bedeutung beigemessen werden. Ebenso
mit dem Paket graphicx für Grafiken.
Wegen dieser drei Punkte finde ich, sollte man dieses Buch auch nicht einem Anfänger in die Hand geben, da er damit den falschen Weg einschlägt bzw. nicht das bekommt, was eigentlich möglich wäre.
Einige Punkte, die ich für ergänzenswert halte, sind der Hinweis, dass eine
Größenangabe wie 0pt immer eine Einheit haben muss (beliebter Anfängerfehler
von mir), ein Hinweis auf die Klasse ntheorem und die Erwähnung,
dass man mit _ und ^ unter und über geschweifte Klammern
(\underbrace) schreiben kann.
Etwas, das ich mir von solch einem Buch auch erhofft hatte, war eine kleine Übersicht über typographische Geflogenheiten z.B. bei der Verwendung von Abständen. Nimmt man nun ~ oder \, bei 1. Schritt oder z.B. Oder einige Tipps aus der DE-TeX-FAQ aufführen.
An einigen Stellen finde ich die Wortwahl des Autors nicht sehr gelungen. Zu oft wird der Begriff »Default« im Text verwendet oder gar zu »defaultmäßig« (Seite 14, Abschnitt »Dokumentklassen«) verdenglischt. Auch bei dem Wort »Enkodierungen« auf dem Buchrücken kann man das Gruseln bekommen. Aber abgesehen von diesen verhältnismäßig wenigen Ausrutschern liest sich der übrige Text angenehm flüssig und stilvoll.
Ein ganz anderer Kritikpunkt ist die doch recht schlechte Qualität des Buches. In dem gleichen Buch einer Freundin fehlten Seiten und andere waren doppelt vorhanden — die Buchhandlung hat es aber ohne Probleme umgetauscht. Auch scheint der Kontrolleur seine Aufgabe nicht sehr sorgfältig erfüllt. So konnte ich folgende Fehler finden:
- Seite 29, Abschnitt »Absatzabstände«: Der Zwischenraum bei »0 pt« ist viel zu groß.
- Seite 30, Abschnitt »Einzüge«: In
»
\setlength{\parindent}{einzug}« ist der doppelte Backslash falsch. - Seite 57, Abschnitt »Grafikparameter«: Die abschließende }
fehlt bei »
{\psset{linecolor=blue}\psline(2,5)« - Seite 62, Abschnitt »Eigene Befehle und Umgebungen«: Der
Abstand zwischen
»
\newcommand{befehl}[argumente][default] {definition}« ist falsch. - Seite 62, Abschnitt »Eigene Befehle und Umgebungen«: Statt
»
\textbackslash« sollte ein \ stehen.
(Jörg Sommer)