Rezension zu O'Reillys »Unix System-Administration«
Auf der Suche nach einem Kompendium, welches die verschiedenen
Befehle zur Systemadministration für UNIX und Linux zusammenfasst,
stiess ich auf das Buch Unix System Administration
. Aufgrund
meiner Leseangewohnheiten verwende ich lieber Bücher mit Softcover und
daher fragte ich beim Verlag, ob denn nicht eine solche Variante
verfügbar wäre. Darauf erhielt ich die Antwort, dass das Buch der
Stolz des Verlages und eines der Flagschiffe sei. Nachdem einiger Zeit
der Verwendung kann ich das nur bestätigen. Denn mit einem anderen
Einband hätte ich mittlerweile wohl eher eine Loseblattsammlung.
Unix System Administration besteht aus siebzehn Kapiteln und einem Nachwort. Am Anfang beschreiben die Autoren auf mehr als 30 Seiten, welche Aufgaben ein Systemadministrator hat. Neben der technischen Seite geht es dabei um weiche, soziale Faktoren. Weiterhin werden diverse Programme zur Systemadministration vorgestellt. Dabei findet ein Konzept Anwendung, welches sich durch das Buch zieht. Separat für jedes Betriebssystem wird das richtige Werkzeug aufgeführt und erklärt. Auf diese Weise lernt der Leser eventuelle Unterschiede zwischen den Systemen kennen und kann sich schnell einen Überblick verschaffen.
Das zweite Kapitel trägt den Titel Die
Unix-Philosophie
. Der hartgesottene UNIXer/Linuxer denkt dabei an
Sprüche wie: One Tool, One Job.
, Small is beautiful
oder
Store data in flat text files.
(siehe auch Unix-Philosophie
in der deutschen Wikipedia). Das Kapitel behandelt Dateien, Prozesse
und Geräte. Das bedeutet der Leser lernt die Grundlagen von
Zugriffsrechten, verschiedenen Dateiarten, Prozessattributen und der
Dateistruktur im Verzeichnisbaum kennen. Nach meiner Einschätzung sind
hier alle wichtigen Informationen enthalten, die ein Neueinsteiger zur
Arbeit mit Dateien benötigt. Die Lektüre hilft auch abzuschätzen, in
welchem Verzeichnis Dateien zu finden sind. Das ist ein wichtiger
Schritt zu schnellem und effizientem Arbeiten.
Das dritte Kapitel beschäftigt sich dann von seinem Namen zuerst mit Administration und stellt grundlegende Werkzeuge vor. Zu Anfang stellen die Autoren die Frage nach der optimalen Nutzung der Befehle. Dabei gehen sie kurz auf die Recherche in den Hilfewerkzeugen (man) ein. Danach werden einige Mittel der Shell wie Pipes, der Befehl find und seine Anwendungen sowie chroot vorgestellt. Der zweite Teil des Kapitels beschäftigt sich mit grundlegenden Techniken. Zuerst geht es um wiederkehrende Aufgaben (Cronjobs), es folgt ein ausführlicher Überblick über Systemaufzeichnungen (Logging) und schließt mit der Installation von Software aus Quellcode ab. Wie schon vorher werden Spezifika der einzelnen Betriebssysteme gesondert beleuchtet. So lässt sich das Gelernte schnell auf den jeweiligen Praxisfall anwenden.
Die folgenden fünfzig Seiten erklären dem Leser wie das System hochfährt. Dabei werden alle wichtigen Schritte vom Einschalten bis zum benutzbaren System erklärt. Ein weiterer Abschnitt beschäftigt sich mit dem Herunterfahren. Viele Probleme treten beim Booten bzw. beim Versuch desselben auf. Daher bietet das Buch Hilfe, Fehler aufzuspüren und Fehler zu umgehen.
Das Thema Vernetzung und Dienste im Netzwerk nimmt einige Kapitel des Buches ein. Kapitel 5 beschäftigt sich mit der grundlegenden Aufgabe der Vernetzung, d.h. wie bekommt man einen neuen Rechner in das Netzwerk integriert. Im achten Kapitel erfährt der Leser, wie sich DHCP-, DNS-, NTP- und andere Server einrichten lassen. Versand und Empfang von E-Mails sind der zentrale Bestandteil des neunten Kapitels. Diese Kapitel bilden die wichtigste Funktionalität bezüglich der Netzwerkverwaltung in den einzelnen Systemen ab.
Das siebente Kapitel geht ebenfalls etwas auf das Thema Netzwerk ein. Thema ist Sicherheit. Diese beginnt oder endet nicht erst beim Netzwerk. So wird der Administrator ermuntert, sich Gedanken über die Sicherheit zu machen und darauf aufbauend Lösungen zu entwickeln. Neben dem genannten Bereich der Netzwerksicherheit geht es um Authentifizierung von Benutzern, Schutz des Dateisystems sowie das Finden diverser Probleme. Aus meiner Sicht stellt das Kapitel bei der Absicherung des Systems eine große Hilfe dar. Insbesondere erhält man wieder direkt nebeneinander den Vergleich, wie die Wege bei unterschiedlichen Systemen aussehen.
Im Kapitel 10 erfolgt eine Vertiefung des Wissens aus den ersten Kapiteln. Hier geht es um Dateisysteme und Festplatten. Insbesondere wie man von der nackten Festplatte zu einem System gelangt, welches die Daten verwaltet (Dateisystem). Der Verlust von Daten bzw. deren Wiederherstellung steht dann im Zentrum von Kapitel 11. Hier erfolgt wieder zuerst eine theoretische Aufarbeitung. Darauf aufbauend werden später diverse Lösungen vorgestellt.
Die Kapitel 12 und 13 gehen auf seriellen Schnittstellen und Drucker ein. Diese habe ich bislang meist übersprungen und kann daher zum Inhalt wenig sagen.
Eine wichtige Eigenschaft eines Systemadministrators sollte Faulheit sein, d.h. er sollte immer versucht sein, sich unnötige Aufgaben vom Hals zu halten. Eine Hilfe bietet ihm das vierzehnte Kapitel. Dort geht es um die Automatisierung von Aufgaben mittels der Shell, der Programmiersprachen Perl und C. Administratoren, die eine Vielzahl von Rechner betreuen müssen, müssen u.a. die Konfiguration der Systeme anpassen. Unter Umständen kann das sehr zeit- und fehleranfällig sein. Die im Buch vorgestellte Lösung cfengine ist ein Weg, diese Aufgaben zu erleichtern.
Den Abschluss des Buches bilden Ausführungen zur Verwaltung von Systemressourcen und zur Konfiguration eines Kernels. Gerade die erstgenannte Aufgabe stellt einen wichtigen Teil der Arbeit mit der Hardware dar. Denn wenn ein Rechner unter der Last ächzt, während andere Leerlauf haben, werden unter Umständen Benutzer unzufrieden sein und dem Administrator das Leben schwer machen. Kann er aber die Auslastung gut ausbalancieren, werden ihm die Kollegen das sehr dankbar sein.
Insgesamt ist das knapp 1200 seitige Werk wert, jede Seite mit
Sorgfalt zu lesen. Denn die Autoren haben sich sehr viel Mühe gegeben,
alle wichtigen Details zusammen zu tragen. Ich hatte das Gefühl, dass
nichts weggelassen wurde. Vielmehr hilft das Buch bei täglichen
Aufgaben. Gerade wenn man beginnt, ein neues Betriebssystem zu nutzen,
ist das Buch von großer Hilfe. Das Buch Unix System
Administratien
sollte in keiner Bibliothek eines
Systemadministrators fehlen. Mir hat es bereits unschätzbare Dienste
geleistet.
(Jens Kubieziel)